Begleiteter Umgang

1. Was ist Begleiteter Umgang?

2. Formen des Begleiteten Umgangs

3. Ziele des Begleiteten Umgangs

4. Umsetzung des Begleiteten Umgangs

5. Gesetzliche Grundlagen

6. Rechtssprechung

7. Positionspapiere

8. Literatur

_________________________________________________________________________________________

1. Was ist Begleiteter Umgang?

Begleiteter Umgang ist eine professionelle Unterstützung zur Förderung des Kontaktes zwischen Kindern oder Jugendlichen und wichtigen Bezugspersonen, wenn der Kontakt für längere Zeit unterbrochen wurde oder aufgrund einer konflikthaften Situation nicht zustande kam. Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf Unterstützung dabei, dass die zum Umgang berechtigten Personen von diesem Recht zu ihrem Wohl Gebrauch machen.

Neben den Eltern gibt es auch Großeltern und andere für das Kind wichtige Personen, die einen Anspruch auf regelmäßigen Kontakt zum Kind haben (§ 1685 BGB). Aus Gründen der Übersichtlichkeit nennen wir im Folgenden die Eltern und beziehen alle anderen umgangsberechtigten Personen ein.

Für die Entwicklung des Kindes sind beide Eltern von großer Bedeutung. Beide verkörpern seine Herkunft und Abstammung. Beide haben eine elterliche Verantwortung. Das Kind hat das Recht auf Kontakt mit beiden Eltern – beide Eltern sind zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt. Aus Sicht des Kindes ist es wichtig und im Übrigen sein Recht, gemeinsame Erfahrungen mit Mutter und Vater zu haben, sofern dies nicht seiner Entwicklung schadet.

Nach einer Trennung, Scheidung oder Unterbringung des Kindes außerhalb der Familie gibt es jedoch manchmal Gründe (häufig aus Sicht des betreuenden Elternteils), den (alleinigen) Umgang des anderen Elternteils mit dem Kind nicht zulassen zu können. In besonders strittigen Fällen kann nach einem Vergleich oder Gerichtsbeschluss oder auf Empfehlung des Jugendamtes selbst der Begleitete Umgang durch das Jugendamt bewilligt werden.

Zentrale Inhalte des Begleiteten Umgang sind:

- die Erarbeitung einer tragfähigen Umgangsvereinbarung

- die Begleitung, Beobachtung und ggf. Beaufsichtigung der Kontakte und die Auswertung mit allen Beteiligten einschließlich der Kinder, wenn sie alt genug sind

- die Beratungsgespräche mit den Eltern bzw. Umgangsberechtigten

- die Vorbereitung zur Verselbständigung der Umgangskontakte.

2. Formen des Begleiteten Umgangs

Unterstützter Umgang

Der unterstützte Umgang hat vor allem die (Wieder-)Herstellung von Eltern-Kind-Kontakten zum Ziel. Gleichzeitig soll der umgangssuchende Elternteil zu kompetentem Elternverhalten befähigt werden, wenn dies erforderlich ist. Es kann darum gehen, nur die Umgangsanbahnung oder auch nur die Übergaben des Kindes an den umgangsberechtigten Elternteil zu begleiten.

Begleiteter Umgang (im engeren Sinn)

Begleiteter Umgang (i. e. S.) soll vor allem den Eltern-Kind-Kontakt trotz Elternstreit ermöglichen und die Kommunikation und Kooperation der Eltern in Bezug auf das Kind verbessern. Gleichzeitig sollen beide Eltern zu kompetentem Elternverhalten befähigt werden. Wenn es vor allem in den Übergabesituationen und vor dem Kind immer wieder zu eskalierenden Streitigkeiten und gegenseitigen Vorwürfen kommt, kann dabei eine “begleitete Übergabe” erforderlich sein, bei der das Konfliktpotential durch flankierende Unterstützung vermindert werden soll, bis eine tragfähige Lösung umgesetzt wird.

Die begleitende Fachkraft nimmt dabei eine beobachtende Rolle ein und greift nur in das Geschehen ein, wenn der/die Umgangsberechtigte wenig Fähigkeiten zeigt, mit dem Kind angemessen umzugehen, die kindlichen Bedürfnisse nicht ausreichend wahrnimmt oder versucht, das Kind gegen den anderen Elternteil negativ zu beeinflussen. Ist die umgangsberechtigte Bezugsperson in der Lage, auf die kindlichen Bedürfnisse einzugehen und liegen keine kindeswohlgefährdenden Momente vor, steht die Fachkraft je nach Absprache bei Bedarf zur Verfügung.

Beaufsichtigter / Beschützter / Kontrollierter Umgang

Bei dieser Form des Begleiteten Umgangs steht die Vermeidung einer Kindeswohlgefährdung im Vordergrund. Dies ist zum Beispiel in Fällen häuslicher Gewalt, vermuteter oder erlebter sexueller Gewalt, bei Entführungsgefahr des Kindes oder einer stark eingeschränkten Kompetenz im Umgang mit dem Kind notwendig. Bei den Umgangskontakten ist die ständige Anwesenheit und Kontrolle einer Fachkraft oder zweier Fachkräfte erforderlich, die Gefahren erkennen und rechtzeitig unterbinden kann/können.

3. Ziele des Begleiteten Umgangs

Ziel des Begleiteten Umgangs ist, dass die Familien und Umgangsberechtigten in der Lage sind, den Kontakt mit ihren Kindern zu erhalten und möglichst eigenverantwortlich und selbständig zu gestalten.

Der Begleitete Umgang ist zeitlich begrenzt und keine auf Dauer angelegte Hilfe. Wenn sich herausstellt, dass eine Verantwortungsübernahme durch die Eltern nicht herbeizuführen ist, muss der Begleitete Umgang als nicht adäquate Hilfeform eingeschätzt und andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden.

Weitere Ziele sind:

- die Förderung des Kindeswohls

- die Erhaltung oder Wiederherstellung der Bindungen zwischen den Kindern/Jugendlichen und den Umgangsberechtigten

- die Sensibilisierung der Eltern bzw. sonstiger Bezugspersonen für die Bedürfnisse des Kindes

- Aufklärung der Eltern, was die Trennung oder Konfliktsituation beim Kind auslöst

- die Verringerung der Belastungen des Kindes sowie Unterstützung und Befähigung des Kindes, sein Befinden und seine Bedürfnisse gegenüber Eltern und anderen Beteiligten zu äußern

- die Entwicklung einer angemessenen Kommunikation zwischen den Bezugspersonen

- eine tragfähige Umgangsvereinbarung für die selbständige Gestaltung der Kontakte.

4. Umsetzung des Begleiteten Umgangs

Rahmenvertrag mit dem Berliner Senat

Berliner Rahmenvertrag für Hilfen in Einrichtungen und durch Dienste der Kinder- und Jugendhilfe (BRVJug):                                       http://www.berlin.de/sen/jugend/rechtsvorschriften/brvj.html

Anlage D.3 zum Berliner Rahmenvertrag für Hilfen in Einrichtungen und durch Dienste der Kinder- und Jugendhilfe (BRVJug) vom 15.12.2006:
https://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-jugend/rechtsvorschriften/brvj/brvjug_anlage_d3.pdf?start&ts=1406210732&file=brvjug_anlage_d3.pdf

5. Gesetzliche Grundlagen

SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe)

§ 18 Beratung und Unterstützung bei der Ausübung der Personensorge und des Umgangsrechts

(1) …

(2) …

(3) Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Umgangsrechts nach § 1684 Abs. 1 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Sie sollen darin unterstützt werden, dass die Personen, die nach Maßgabe der §§ 1684 und 1685 des Bürgerlichen Gesetzbuchs zum Umgang mit ihnen berechtigt sind, von diesem Recht zu ihrem Wohl Gebrauch machen. Eltern, andere Umgangsberechtigte sowie Personen, in deren Obhut sich das Kind befindet, haben Anspruch auf Beratung und Unterstützung bei der Ausübung des Umgangsrechts. Bei der Befugnis, Auskunft über die persönlichen Verhältnisse des Kindes zu verlangen, bei der Herstellung von Umgangskontakten und bei der Ausführung gerichtlicher oder vereinbarter Umgangsregelungen soll vermittelt und in geeigneten Fällen Hilfestellung geleistet werden.

Bürgerliches Gesetzbuch

§ 1626 Elterliche Sorge, Grundsätze
(1) Die Eltern haben die Pflicht und das Recht, für das minderjährige Kind zu sorgen (elterliche Sorge). Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).

(2) Bei der Pflege und Erziehung berücksichtigen die Eltern die wachsende Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes zu selbständigem verantwortungsbewusstem Handeln. Sie besprechen mit dem Kind, soweit es nach dessen Entwicklungsstand angezeigt ist, Fragen der elterlichen Sorge und streben Einvernehmen an.

(3) Zum Wohl des Kindes gehört in der Regel der Umgang mit beiden Elternteilen. Gleiches gilt für den Umgang mit anderen Personen, zu denen das Kind Bindungen besitzt, wenn ihre Aufrechterhaltung für seine Entwicklung förderlich ist.

§ 1684 Umgang des Kindes mit den Eltern
(1) Das Kind hat das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil; jeder Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.

(2) Die Eltern haben alles zu unterlassen, was das Verhältnis des Kindes zum jeweils anderen Elternteil beeinträchtigt oder die Erziehung erschwert. Entsprechendes gilt, wenn sich das Kind in der Obhut einer anderen Person befindet.

(3) Das Familiengericht kann über den Umfang des Umgangsrechts entscheiden und seine Ausübung, auch gegenüber Dritten, näher regeln. Es kann die Beteiligten durch Anordnungen zur Erfüllung der in Absatz 2 geregelten Pflicht anhalten. Wird die Pflicht nach Absatz 2 dauerhaft oder wiederholt erheblich verletzt, kann das Familiengericht auch eine Pflegschaft für die Durchführung des Umgangs anordnen (Umgangspflegschaft). Die Umgangspflegschaft umfasst das Recht, die Herausgabe des Kindes zur Durchführung des Umgangs zu verlangen und für die Dauer des Umgangs dessen Aufenthalt zu bestimmen. Die Anordnung ist zu befristen. Für den Ersatz von Aufwendungen und die Vergütung des Umgangspflegers gilt § 277 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit entsprechend.

(4) Das Familiengericht kann das Umgangsrecht oder den Vollzug früherer Entscheidungen über das Umgangsrecht einschränken oder ausschließen, soweit dies zum Wohl des Kindes erforderlich ist. Eine Entscheidung, die das Umgangsrecht oder seinen Vollzug für längere Zeit oder auf Dauer einschränkt oder ausschließt, kann nur ergehen, wenn andernfalls das Wohl des Kindes gefährdet wäre. Das Familiengericht kann insbesondere anordnen, dass der Umgang nur stattfinden darf, wenn ein mitwirkungsbereiter Dritter anwesend ist. Dritter kann auch ein Träger der Jugendhilfe oder ein Verein sein; dieser bestimmt dann jeweils, welche Einzelperson die Aufgabe wahrnimmt.

Sozialgesetzbuch – SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe): http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbviii/1.html

Bürgerliches Gesetzbuch – BGB: http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bgb/gesamt.pdf

Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit – FamFG: http://www.gesetze-im-internet.de/famfg/

Strafgesetzbuch – StGB: http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/

Zivilprozessordnung – ZPO: http://www.gesetze-im-internet.de/zpo/

6. Rechtsprechung

Anordnung von Begleitetem Umgang und Umgangspflegschaft bei einem 2006 geborenen Kind (Leitsatz)

Oberlandesgericht Düsseldorf – 4. Familiensenat – Beschluss vom 25.10.2010 – II-4 UF 252/09

7. Positionspapiere

Positionspapier_27.5.2011

8. Literatur

Kontakt

Geschäftsstelle

Dachverband Begleiteter
Umgang Berlin e.V.
c/o SEHstern e.V.
Parkstraße 66
13086 Berlin

info@begleiteter-umgang-berlin.de

Mitglieder des Vorstands

Mitglieder: